Youngblood Brass Band • Köln • CBE @ Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln [3. September]

Youngblood Brass Band • Köln • CBE


321
03.
September
19:00 - 22:00

 Facebook-Veranstaltungen
Club Bahnhof Ehrenfeld
Bartholomäus-Schink-Strasse 47, 50825 Cologne, Germany
Youngblood Brass Band
präsentiert von WDR Cosmo & Black Atlantic

► MO || 03.09. || Doors: 19h || CBE, Köln
► «The Midwest's answer to The Roots» — The New Yorker

Tickets gibt's ab sofort für gerade mal 15,00€ zzgl. Gebühren bei allen bekannten VVK-Stellen, wie z.B. KölnTicket oder Eventim: bit.ly/ybbb_cbe_tickets

«Hip-Hop's heaviest brass section» — Dazed and Confused

«These brassmen will blow your mind.» — JazzTimes

Die Youngblood Brass Band entzieht sich jeder musikalischen Kategorisierung. Irgendwo im tiefsten Nirgendwo der Mitte Amerikas (Madison, Wisconsin) formiert sich Anfang der Neunziger eine Gruppe, die fernab der breiten Öffentlichkeit in den folgenden Jahren die eine oder andere Genregrenze einreißen soll.

1994 macht sich David Henzie Skogen auf die Suche nach Gleichgesinnten — er will eine Band gründen. Doch an der heimischen High School ist es gar nicht so leicht, die Mitschüler für das Thema Brass Band zu begeistern. Zum Vergleich: Das ist, als suchte hierzulande ein Zehntklässler der Realschule Buxtehude Mitstreiter für eine Volksmusikkapelle. Madison, Wisconsin ist eben nicht New Orleans, wo der Brass-Sound nicht nur eine lange Tradition hat, sondern auch von den Jugendlichen durchaus akzeptiert und als cool bezeichnet wird.

Umso erstaunlicher, dass Dave tatsächlich Mitstreiter findet. Bei Nat McIntosh stößt Dave auf offene und vor allem musikalische Ohren. Nat ist zu der Zeit bereits in einer Brass Band (Mamma Digdowns) aktiv und wird für die nächsten neun Jahre das musikalische Grundgerüst vorgeben – bewaffnet mit seinem Sousafon (einer Abart der traditionellen Tuba). Doch dazu später mehr. Zunächst gilt es, eine Band zu gründen.

Nach und nach stecken die beiden hochmotivierten Brassisten immer mehr Musiker an, und bald besteht die erste richtige Band. Die One Lard Biskit Brass Band setzt sich aus 17 Mitgliedern zusammen: den beiden Gründern Dave und Nat sowie Josh Smith (Trompete), Ben McIntosh (Posaune), Jason Smith (Drummer), Mark Chilson (Posaune), Garrick Witte (Trompete), Vinnie Okada (Altsaxofon), Matt Picket (Posaune), Brian Berkin (Saxofon), Chuck Wagner (Trompete), Joe Galtz, Matt Miller (beide Posaune), Mike Bonan (Trompete), Matt Rappaport (Percussions), Carl Bartsch (Tenorsaxofon) und Jason Flaks (Drums).

Schon zu Beginn agiert Nat mit seinem Sousafon als musikalischer Mittelpunkt, während Dave den Bandleader, Sprecher und Rapper gibt. Ja, richtig gehört: Neben der Affinität zum traditionellen Brass Band-Sound aus New Orleans — etwa von der Rebirth Brass Band, The Chosen Few Brass Band oder The Dirty Dozen Brass Band — lässt sich das Kollektiv von Funk, Jazz, Afrobeat, karibischen Klängen und im Besonderen von Hip Hop beeinflussen. Von allzu großer Stilvielfalt ist es beim Debüt «Word On The Street» 1998 noch ein gutes Stück entfernt — im Großen und Ganzen eine traditionelle Brass Band-Platte.

Allerdings zeigen sie schon zwei Jahre später einer gewachsenen Hörerschaft, dass man Brass Band wunderbar mit Hip Hop verknüpfen kann. Für diese Fusion gewinnen sie den Brooklyner Rapper Talib Kweli für sich und schenken den weltoffenen Hip Hop-Heads eine Single, die sich gewaschen hat. Die Youngbloods knüpfen einen ruhigen sphärischen Soundteppich auf «Ya'll Stay Up», und Kweli gibt die passenden Reime in gewohnter Qualität zum Besten. Für das dazugehörige Album «Unlearn» entfernen sich die Jungs endgültig von den Schienen der traditionellen Brass Band-Entwicklung, was auch die eingeladenen Gäste unmissverständlich klarmachen. Mike Ladd, unterschätzter Hip Hop-Produzent mit Hang zur Innovationssucht, und Ike Wikkis, der sich früher als Sänger für Frank Zappa betätigte, sind dafür zwei gewichtige Beispiele.

In der Zeit bis zur nächsten Platte touren die Jungs durch die Welt. Es wird ihnen sogar die Ehre zuteil, auf hoch angesehenen Jazz- und Brass Band-Festivals in New Orleans zu spielen. Neben den Traditionalisten im Publikum begeistern sie Hip Hop-Heads, Jazz-Fans und Blechbläser-Freunde. Die gefeierten Liveshows der Brass Band beweisen mit einer Mixtur aus eigenen Stücke, Coverversionen («Human Nature», «Killing Me Softly») sowie jazzigen Improvisationen das große Talent und die Harmonie im Bandgefüge.

2003 folgt das dritte Werk «center.level.roar», auf dem die Youngbloods einmal mehr in neues Terrain aufbrechen. Mittlerweile hat sich die Band verkleinert, was der musikalischen Breite aber nicht schadet. Dave mausert sich immer mehr zu einem überzeugenden Rapper, und Nat zaubert aus seinem Sousafon nie gehörte Klänge. Vor allem seine satten Basslines, die er in das blecherne Mundstück sabbert, verpassen dem Sound der Youngbloods das richtige Tempo. Um so überraschender, dass die Youngbloods Mitte 2005 den Ausstieg ihres langjährigen musikalischen Kopfs Nat McIntosh bekannt geben. Gründe werden nicht genannt.

Von nun an besteht die Youngblood Brass Band aus folgenden Musikern: Chuck Wagner (Trompete), Joe Goltz (Posaune), Mike Boman (Trompete) Tom Reschke (Drummer), Jeff Maddern (Trompete), Jerome Harper, Joe Hulbert (beide Posaune) und natürlich dem Rapper und Drummer Dave Henzie Skogen. Zu Ehren von Nat veröffentlichen die Youngbloods mit «live.places» ein Sammelsurium an Live-Stücken, die sie während ihrer zahlreichen Konzerte in München, London, Den Haag, Brüssel und Omaha aufgenommen haben.

Trotz des Ausstiegs von Nat haben die Fans Grund zur Freude. Mit dem Vertrieb layered.org und einem Deal mit Warner Bros haben die Jungs endlich eine solide Basis, um ihre Platten in geregelten Strukturen zu veröffentlichen. Was sie gleich hochmotiviert in Anspruch nehmen. Anfang 2006 erscheint das mittlerweile fünfte Album der Youngblood Brass Band. «Is That A Riot?» klingt jedoch anders, als die vorangegangenen Alben. Es ist opulenter, ein wenig anstrengender. Es liegt nahe, den Grund in Nats Ausstieg zu sehen. Vielleicht haben aber einfach äußere Einflüsse die Bläsertruppe nach drei Jahren ohne Studioalbum verändert. Einen nicht allzu kleinen Dämpfer wird der Musikertruppe der Untergang New Orleans verpasst haben, das ein Jahr zuvor der Hurrikan Katrina dem Erdboden gleich gemacht hatte. Immerhin war die Stadt New Orleans immer einer der größten Einflüsse für den Brass-Sounds…
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